Belgische Grüße aus Schwalmstadt

Am 08. Mai 2021 feiern die Brüsseler mit dem sogenannten Fête de l'iris "Irisfest" den 32. Geburtstag der Region Brüssel-Hauptstadt. Warum die Europäische Union zum täglichen Leben der Belgier gehört, welche Verbindung Hessen nach Brüssel hat und was die Kulinarik dort zu bietet hat, wollen wir nachfolgend vorstellen.

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Kulinarische Grüße aus Belgien
Kulinarische Grüße aus Belgien

Das Königreich Belgien ist eines der sechs Gründungsmitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der späteren Europäischen Union. Der Name „Belgien“ begründet sich ursprünglich auf der römischen Provinz „Gallia Belgica“. Das heutigen Belgien erlebte verschiedene Herrschaftsformen bis es 1830 seine staatliche Unabhängigkeit erlangte und Leopold Georg Christian Friedrich von Sachsen-Coburg-Saalfeld 1831 als Leopold I. der erste König der Belgier wurde. Die Staatsform Belgiens ist eine konstitutionelle Monarchie, die sich aber de facto zu einer parlamentarischen Monarchie entwickelte. König Philippe, der aktuelle Monarch, ist nun der 7. König der Belgier. Zu seinen vornehmsten Aufgaben gehört es, nach Parlamentswahlen verschiedene Möglichkeiten der Regierungsbildung zu sondieren und später den Auftrag zur Kabinettsbildung zu erteilen.

Belgien ist ein Föderalstaat, der sich aus drei Gemeinschaften (der Flämischen, der Französischen und die Deutschsprachigen Gemeinschaft) und drei Regionen (der Region Brüssel-Hauptstadt, der Flämischen Region und der Wallonischen Region) zusammensetzt. Die drei Landesteile unterscheiden sich sowohl sprachlich-kulturell als auch landschaftlich, was die Entstehung unterschiedlicher Nationalküchen begünstigt hat.

Die Region Brüssel-Hauptstadt, auch Brüsseler Region genannt, umfasst das „zweisprachige Gebiet Brüssel-Hauptstadt“, das – genau wie der gleichnamige Verwaltungsbezirk – aus 19 Gemeinden besteht. Die Blume Iris ist das Symbol dieser Region und ziert sogar deren Wappen (eine gelbe Iris vor einem blauen Hintergrund).

Die Stadt Brüssel ist eine der o.g. 19 Gemeinden und wird oft als „Hauptstadt Europas“ bezeichnet. Verschiedene europäische Institutionen haben ihren Sitz in Brüssel, wie beispielsweise die Europäische Kommission (im Berlaymont-Gebäude) oder der Europäische Rat (im Justus Lipsius-Gebäude). Als Folge davon arbeiten natürlich Tausende von europäischen Beamten in der Stadt. Hinzu kommen die Sitzungen des Europäischen Rates und die „Europäischen Gipfel“, Plenarsitzungen des Europäischen Parlaments oder Treffen der parlamentarischen Ausschüsse.

Durch die Präsenz dieser internationalen Organisationen zieht Brüssel weltweit die größte Gemeinschaft an Diplomaten und ausländischen Journalisten an. Mehr als 1.000 internationale private und öffentliche Organisationen haben ihren Hauptsitz in Brüssel.

Über zwei Drittel der politischen Entscheidungen, die das tägliche Leben der Menschen in Hessen betreffen, nehmen ihren Ausgang in Brüssel. Daher setzt sich die Hessische Landesregierung für hessische Interessen direkt vor Ort ein. Seit 1989 gibt es eine Vertretung des Landes Hessen in Brüssel. Sie informiert laufend über aktuelle Entwicklungen auf europäischer Ebene und dient gleichzeitig als Frühwarnstelle. Der hessische Staatssekretär für Europaangelegenheiten, Mark Weinmeister, ist im Geschäftsbereich von Europaministerin Lucia Puttrich für die operative Gestaltung der hessischen Europapolitik zuständig. Zu seinem Kerngeschäft gehört es, durch regelmäßige wöchentliche Präsenz in der Hessischen Landesvertretung in Brüssel vor Ort Gespräche mit europäischen Entscheidungsträgern zu führen.

Seit Mai 2013 führt Hessen das Konzept des „Europas der Regionen“ auch in baulicher Hinsicht fort. Als bisher einziges deutsches Bundesland bündelt Hessen in Brüssel seine Kräfte mit seinen europäischen Partnerregionen: Das Mehr-Regionen-Haus vereint die Regionen Hessen (Deutschland), Aquitaine (Frankreich), Emilia-Romagna (Italien) und Wielkopolska (Polen) unter einem Dach. Kurze Wege und der persönliche Kontakt zu seinen Partnern sind die besten Voraussetzungen für eine gelungene Zusammenarbeit. Daher sind auch die Europavertretungen der Helaba mit WI-Bank, der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, der Fraport AG und der Metropolregion FrankfurtRheinMain in das Mehr-Regionen-Haus eingezogen. Auch der Hessische Landtag und das House of Finance der Goethe Universität Frankfurt haben hier Büros gemietet.

Das Team der Landesvertretung aus Brüssel berichtet, dass unter normalen Umständen am 8. Mai das „Irisfest“ einem Festival nahekommt. Vor dem Königspalast wird eine große Bühne aufgebaut, Pop- Rock, Jazzmusik sowie Klassik wird gespielt. Außerdem gibt es ein großes Straßenfest für Familien und jede Menge Streetfood.

In Brüssel gibt es einige typische Gerichte, die unvergleichlich lecker sind. Als erstes möchten wir die belgischen Waffeln (Gaufres) erwähnen. Gern werden sie mit verschiedenen Soßen und Belägen angeboten. Die Brüsseler Waffel (Gaufre de Bruxelles) wird aus einem weichen Rührteig gebacken. Auch erwähnenswert ist es, dass Spekulatiusgebäck gerne in Belgien angeboten wird und dort auch der Ursprung vermutet wird.

Wir haben uns auch in Schwalmstadt umgehört, die bereits seit 1973 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Zwalm in Flandern pflegen. Der Partnerschaftsverein Schwalmstadt e.V. hat uns leckere Rezepte zum Nachkochen und Nachbacken zur Verfügung gestellt. 

Dabei werden Sie feststellen, dass Sie an Pommes nicht vorbei kommen, denn sie wurden von den Belgiern erfunden. Pommes frites sind DER Klassiker des Brüsseler Streetfood, die bekanntesten Buden haben dieses Gericht über Jahre perfektioniert: Die Pommes werden zweimal frittiert, damit sie innen locker und lecker sowie außen goldgelb und knusprig sind. Man isst die Pommes frites mit Soße, klassischerweise Mayonnaise, gern auch mit einer anderen Kreation wie Samurai Sauce, Aioli, Sauce Andalouse, Erdnuss- oder Currysoße. Ketchup wird eher selten dazu gegessen.

Moules Frites sind ein beliebter Klassiker der traditionellen Speisen in Brüssel. Diese Speise besteht aus frischen, zumeist im Topf servierten Miesmuscheln in Gemüsesud, die mit Pommes frites serviert werden. Beim Essen nehmen die Belgier gern eine Muschelschale, mit der sie das Fleisch aus den anderen Muscheln lösen.

Waterzooi (ostflämisch, etwa „Wassersud“) ist als Eintopf der flämischen Küche. Grundlage der Waterzooi sind entweder beliebige Süßwasserfische oder Huhn sowie Gemüse wie Möhren, Sellerie, Petersilienwurzel, Zwiebeln und Lauch, die zusammen mit Kräutern und Gewürzen in Wasser und Weißwein oder einer Brühe mit Butter ergänzt gegart werden. Traditionell wird die Suppe mit Paniermehl gebunden, teilweise auch mit Sahne, Crème double oder Crème fraîche. Serviert wird Waterzooi traditionell mit gerösteten Weißbrotscheiben oder Pommes frites.

Unter dem Namen Bouchée à la reine ist die belgische Königinpastete bekannt. Die ersten kleinen Bouchées sollen von Königin Maria Leszczyńska erfunden oder zumindest in Mode gebracht worden sein. Hierbei lässt sich gerne das Hühnerfleisch vom Waterzooi verwerten.

Belgische Schokolade ist in der ganzen Welt bekannt. Ihren Ruf verdankt sie einer Tradition, die einer strengen Gesetzgebung hinsichtlich der Herstellung entspringt. So bleiben – selbst seit einer europäischen Richtlinie, die die Verwendung von 5 % pflanzlicher Fette außer der Kakaobutter zulässt – die meisten handwerklichen Schokoladefabrikanten dem Vorsatz „100 % Kakaobutter“ treu. Zur Verteidigung dieser Qualität wurde ein „ambao“ genanntes Gütezeichen geschaffen. Zu den bekanntesten belgischen Spezialitäten gehören die Pralinen. Erfunden wurden sie 1912 angeblich von Jean Neuhaus. Heute gibt es Hunderte verschiedener Sorten. Sie werden sogar in Familien geordnet: Da gibt es die Manons, diejenigen mit frischer Sahne, die Pralinen mit Krokant, Marzipan, Likör sowie die sogenannten Trüffel. Um ihnen ihre delikate Frische zu erhalten, wurde unter dem Namen „Ballotin“ eine Spezialverpackung patentiert. In Brüssel gibt es zahlreiche Chocolatiers und noch mehr Schokoladengeschäfte. Übrigens, nicht nur als Tafel oder Pralinen, sondern auch als Getränk „Chocolat Chaud“ (Heiße Schokolade) lieben die Belgier ihre Schokolade.