Estnische Grüße aus Darmstadt

Unsere Rezeptesammlung möchten wir mit dem EU-Land Estland ergänzen. Wussten Sie, dass die estnische und finnische Nationalhymne die gleiche Melodie haben? Sie wurde von Fredrik Pacius komponiert. Der Text der estnischen Hymne wurde 1969 von Johann Voldemar Jannsen geschrieben. Der Titel bedeutet "Mein Vaterland, mein Glück und meine Freude". Der Nationalfeiertag des Landes ist übrigens der 24. Februar.

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Rezeptesammlung  als auch Sammlung virtueller europäischer und internationaler Kulturangebote
Estlands Hauptstadt Tallinn

Wir haben uns Estland näher angeschaut und laden Sie herzlich auf einen kurzen Überblick ein.
Vor rund 100 Jahren behaupteten die Esten sich im Zuge der Oktoberrevolution in langen Kämpfen gegen das russische Reich. Am 23. Februar 1918 wurde das Manifest für die estnischen Völker vom Balkon des Endla-Theaters in Pärnu verlesen; Estland wurde darin als souveräne Nation bezeichnet. Die Menschenmenge fing begeistert an, die Nationalhymne Mu isamaa, mu õnn ja rõõm zu singen. Am darauffolgenden Tag, am 24. Februar, erreichte das Manifest auch die jetzige Hauptstadt Tallinn und wurde dort veröffentlicht. Dieser Moment ist die Geburtsstunde der Republik Estland.

Die Farben der Flagge Estlands sind:

  • Blau - steht für den Himmel und die Vaterlandstreue
  • Schwarz - steht für die Heimaterde und den Fleiß
  • Weiß - steht für Schlichtheit, Sauberkeit und hoffnungsvolle Zukunft.

Estland, als nördlichster der drei baltischen Staaten, grenzt im Süden an Lettland, im Osten an Russland sowie im Norden und Westen an die Ostsee. Über den Finnischen Meerbusen hinweg bestehen enge Beziehungen zu Finnland, und historisch gibt es durch die Deutsch-Balten viele kulturelle Verbindungen nach Deutschland. Hessen ist unter anderem durch die Deutsch-Baltische Gesellschaft mit Estland verbunden, die ihren Sitz in Darmstadt hat.

Das EU-Land Estland ist flächenmäßig etwas kleiner als Niedersachsen und etwas größer als die Schweiz. Die gesamte Küstenlinie hat eine Länge von 3.794 Kilometern. Es gibt über 2.000 Inseln und mehr als 50 Prozent der estnischen Landesfläche sind bewaldet. Der häufigste Laubbaum in den estnischen Wäldern ist die Birke. Sie ist ein vielbesungenes Motiv in Liedern und Volksdichtung, außerdem wurden in Estland bisher mehr als 130.000 Volkslieder geschrieben und aufgenommen. Damit verfügen die Esten über eine der weltweit größten Sammlungen an eigenem Liedgut. Estland ist somit völlig zurecht das “Land der Lieder”.

Aber nicht nur das! Estland ist das digitalste Land Europas, nicht nur auf Grund des flächendeckenden Internets sind die Esten – aus digitaler Sicht betrachtet – ganz vorne angesiedelt. Der Staat garantiert seit dem Jahr 2000 per Gesetz seinen Bürgern einen Zugriff auf das Internet. Auch die Bürokratie mit Ämtern, offizielle Wahlen, Fahrscheine und das Bezahlen in Geschäften und Restaurants findet in der Regel digital statt. Seit Januar 2015 bietet Estland Bürgern vieler Staaten eine sogenannte e-Residency an. Die e-Residenten werden allerdings keine Bürger oder Bewohner Estlands, sondern bekommen lediglich eine digitale Identität. Da verblüfft es kaum, dass die Nachfrage von digitalen Nomaden und Unternehmern ohne festen Wohnsitz sehr groß ist. Und auch nicht, dass die Internetriesen Skype und TransferWise ebenfalls in Estland gegründet wurden.

Erwähnenswert finden wir auch das Schaukeln als Extremsport, denn in Estland ist es eine besonders beliebte Sportart und heißt Kiiking. Dabei handelt es sich um Schaukeln, bei dem Überschläge das große Ziel sind. 1993 wurde die erste Kiiking-Schaukel gebaut, mittlerweile gibt es im ganzen Land verschiedene Wettbewerbe. Es gewinnt derjenige, der beim größten Radius einen Überschlag mit den wenigsten Schwüngen schafft.
Auch bemerkenswert ist die Kürung des Europäischen Baumes des Jahres 2015. Es ist nämlich eine riesige Eiche, die auf einem Fußballplatz im Orissaare-Stadion bei Kuressaare wächst. Als der Platz geplant wurde, konnte nichts die riesige Eiche entwurzeln, also wurde der Platz kurzerhand um die Eiche herum gebaut. Die Eiche ist seither ein beliebter zwölfter Mann bei den Fußballspielen.

Urbane Lebensqualität und Traditionsgebundenheit ergänzen sich harmonisch in Estlands beeindruckender Hauptstadt zwischen Hanse und Hightech.
Tallinn steht für Mittelalter und modernen Funktionalismus. Ein Spaziergang durch Tallinns Altstadt und der Besucher wird zum Tallinn-Fan. Es ist diese pulsierende, prickelnde Mischung von mittelalterlichen Bauten, die hier nichts von mittelalterlicher Enge haben, und die Weltoffenheit des pulsierenden urbanen Lebens des 21. Jahrhunderts. Noch unter dem alten Namen Reval war Tallinn ein reiches und bedeutendes Hansemitglied und damals wie heute das Bindeglied zu den Märkten Russlands. Mächtige Stadtmauern mit bulligen Wehrtürmen schützten die Altstadt, in denen das Leben schon im 13. Jahrhundert von den wohlhabenden Kaufleuten in den großen Handelskontoren mit ihren Speichern, den Patrizierhäusern, sowie in den Gildehäusern geprägt wurde. Mittelpunkt ist der Rathausplatz mit dem prächtigen gotischen Rathaus und einer Vielzahl von Gastronomie.

Die estnische Küche ist zwar eine Mischung, entstanden durch verschiedene Einwirkungen von Nachbarn wie etwa Schweden, Deutschland, Russland und Dänemark, doch das estnische Essen hat uralte Tradition und ist sehr naturverbunden. Auch wenn die Einflüsse aus den oben genannten Kulturen aufgenommen wurden, so ist der echte Geschmack des estnischen Essens erhalten geblieben.

Manche sagen, die estnische Küche sei sehr nah an der deutschen. Dies zu behaupten, ist naheliegend aufgrund der Jahrhunderte langen gemeinsamen estnisch-deutschen Geschichte – und aufgrund ähnlicher Ressourcen, die ein gemäßigtes Klima zulässt. Die Gemeinsamkeiten und große Überschneidungen liegen vor allem bei deftigen Gerichten wie „Schweinshaxe mit Sauerkraut und Kartoffelpüree“, „Linsensuppe mit Rauchfleisch“ und „Klößchensuppe“. Ebenso gibt es aber einen großen Bereich der estnischen Küche, der sich stark unterscheidet und zum Teil speziell ist. Beispielsweise bei Desserts wie „Kama Vaht“, „Mulgi Korbid“ (Quarkkuchen auf Mulgi-Art). Aber auch herzhafte Gerichte wie „Gedünstete Plötzen“ oder „Bratlinge aus Grütze und geräucherten Strömlingen“ sind etwas traditionell Estnisches, wobei sich der gute Geschmack nicht gleich über den Namen der Speisen erschließt.

Die Esten lieben reines und lokales Essen, es muss frisch und schmackhaft sein, es muss aus lokalen Produkten und vor Ort hergestellt sein. Charakteristisch ist, dass die Küche in Estland zumeist schlicht ist. Insgesamt war die Nationalküche Estlands dazu bestimmt, Nährstoffe in die Blutbahn zu bringen, weniger dazu, kulinarischen Genuss zu ermöglichen. Der Este war bescheiden und aß maßvoll, da es klimabedingt schlichtweg von der Laune der Natur abhing, was er zu essen bekam.

Aus der geografischen Lage des Landes gingen vor allem geschmacksprägende Zutaten wie Zwiebeln, Knoblauch, Meerrettich, Dill, Kümmel, Petersilie und Senf hervor. Ob Kümmelbrot mit marinierten Neunaugen, Waldpilzsalat mit grüner Zwiebel oder sahniger Strömlingsauflauf mit Dill: Gegessen wird, was Feld, Wald und Gewässer hergeben. Roggen, Pilze und Fisch sind aber nur ein Teil der bodenständigen Kost. Ebenso wichtig sind neben regionalen und saisonalen Zutaten Schweinefleisch, Kartoffeln, Kohl und Milchprodukte.

Es gab zu jeder Mahlzeit immer nur ein Gericht, egal ob werk- oder feiertags. Meist war es eine gerade zubereitete oder aufgewärmte Suppe, Brot, Fisch, Käse oder ein Brei. So haben sich von Jahreszeit zu Jahreszeit wechselnde Gerichte/Mahlzeiten herausgebildet. Im Winter gab es zwei feste Mahlzeiten, morgens und abends. An langen Sommertagen, wenn die Arbeit intensiver war, gab es in der Regel drei Mahlzeiten mit deftigem Essen. Das Abendessen wurde nach der Arbeit um 21 oder 22 Uhr eingenommen, es war zugleich die größte Mahlzeit des Tages. In der Zeit der Feldarbeiten, Frühjahr bis Herbst, nahm man in der Frühe vor der Arbeit stets einen Bissen Brot. Dieser Bissen war allerdings mehr präventiv gegen Unglück eingenommen worden, als aus dem Glauben heraus, das Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit des Tages. Denn sah oder hörte man frühmorgens mit nüchternem Magen einen Vogel, so die damalige Auffassung, konnte dies Krankheit, Tod, Krieg oder anderes Unglück bringen.

Das Getreide in Form von Brot und Grütze spielte eine zentrale Rolle in der althergebrachten Küche der Esten. Wobei das Brot der Inbegriff der Existenz und Nahrung war. Vor rund 150 Jahren hat sich auch die Kartoffel auf den estnischen Esstischen etabliert. Grundsätzlich spielt auch Fisch eine wichtige Rolle in der estnischen Küche. Fast zu jedem Festtisch gehört Hering mit saurer Sahne und Zwiebel. Oft ist gar die Rede von Heringssalat als dem Nationalgericht. Dabei sind besonders die Strömlinge, die milderen und zarteren kleinen Brüder des normalen Ostseeherings, beliebt. Die estnische Küche ist grundsätzlich reich an schmackhaften Salaten. Gäbe es eine Weltmeisterschaft für gute Salate, die Esten wären ein regelmäßiger Favorit auf den Titel.

Kalbssülze ist das zweite wichtige Nationalgericht. In früheren Zeiten sei diese Sülze für die wohlhabende Bevölkerung etwas ganz Besonderes gewesen - vor allem auf der Weihnachtstafel. Daneben landet aber überwiegend Schwein auf dem Teller. Die estnische Süßspeise schlechthin ist das Kama. Jeder Mensch in Estland kennt die wahrscheinlich jahrhundertalte Nachspeise. Das Kama-Mehl selbst ist ein Gemisch aus geröstetem Gersten-, Roggen-, Hafer- und Erbsenmehl.

Wir haben eine bunte kulinarische Mischung für Sie zusammengestellt und wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Experimentieren mit den neuen Inspirationen.

  • Sügispirukas - herzhafter Herbstkuchen
  • Porgandipirukad - Teigkörbchen mit Möhrenfüllung
  • Mulgikapsad – Sauerkrauteintopf nach Mulgi-Art
  • Rosolje – Kartoffelsalat mit roter Beete
  • Kama - die estnische Süßspeise schlechthin

"Head isu" sagen die Esten, wenn sie einander guten Appetit wünschen.