Portugiesische Grüße

Anlässlich des portugiesischen Nationalfeiertags am 10. Juni möchten wir uns dem Land widmen, das bereits seit Anfang des Jahres eine wichtige europäische Rolle übernommen hat. Portugal hat bis zum 30. Juni 2021 die Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union inne. Wie sich das Land derzeit im Rat präsentiert, kann man unter www.2021portugal.eu/en erfahren.

BildergaleriePortugiesische Küche

Kulinarische Reise durch Europa
Portugiesische Küche

Den 10. Juni widmen die Portugiesinnen und Portugiesen ihrem Nationaldichter Luís Vaz de Camões. Das ist recht ungewöhnlich, da Nationalfeiertage meistens einen politischen Hintergrund haben. Der Dichter Luís Vaz de Camões wurde 1524 in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon geboren und starb ebenfalls in Lissabon am 10. Juni 1580. Camões ist in Portugal so bekannt, weil es in seinen Gedichten und Erzählungen vor allem um portugiesische Geschichte geht. In seinem berühmtesten Werk „Die Luisaden“ geht es um die portugiesischen Eroberer und ihre Traditionen.

Im Mittelalter war das relativ kleine Portugal eine Weltmacht. Ferdinand Magellan, Vasco da Gama und andere portugiesische Seefahrer sind vielen bekannt. Sie schufen im 16. Jahrhundert ein weltumspannendes Handelsnetz, welches sich von Lissabon, über die Küsten Afrikas, von der arabischen Welt über Indien und China bis nach Südamerika legte. Camoes beschrieb sein Land einmal so: Egal wie groß diese Welt ist, Portugals Seefahrer würden sie entdecken. Bis heute ist der lusophone Einfluss nicht nur in Brasilien, Angola und Mozambique, sondern auch in besonderen Orten in Asien zu sehen, in Indien (in Goa) und in China (in Macau) zum Beispiel. Auf diese Weise hat sich auch die Sprache in der Welt verbreitet. Über 230 Millionen Menschen bezeichnen Portugiesisch als ihre Muttersprache.

Insgesamt hat Portugal eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis 1974 wurde das Land autoritär regiert. Im Zuge der Nelkenrevolution nahm das Land dann Kurs auf die europäische Wertegemeinschaft. Der Beitritt in die damalige Europäische Gemeinschaft erfolgte 1986. Seit dem Beitritt zur Währungsunion 2002 zahlt man mit dem Euro. Heute ist die Portugiesische Republik aus der Europäischen Union nicht mehr wegzudenken und eines ihrer beliebtesten Reiseziele.

Zu Portugal gehören auch die Inseln der Azoren und die Blumeninsel Madeira, die weit westlich im Atlantik liegen. Lissabon ist die größte Stadt Portugals und auch die Hauptstadt. Sie liegt am Atlantischen Ozean und gehört mit ihrer Architektur und ihren alten reizvollen Stadtvierteln zu den interessantesten Städten Europas. Eine Besonderheit sind die Aufzüge, die die auf unterschiedlichen Ebenen gelegenen Stadtteile im Zentrum Lissabons miteinander verbinden. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist eine 2278 Meter lange Hängebrücke über den Fluss Tejo, der zu den wichtigsten Flüssen Portugals gehört. Er fließt durch das ganze Land und teilt es in zwei Hälften: den Norden und den Süden.

Der berühmte Portwein, ein süßer Wein, kommt aus der Stadt "Porto" im Norden. Porto, von den alten Römern gegründeten Hafenstadt, verdankt das Land den ersten Teil seines Namens.

Zwischen Lissabon und Porto liegt eine Kleinstadt namens Ansião. Die Kreisstadt Erbach im südhessischen Odenwald unterhält eine Städtepartnerschaft mit Ansião. Obwohl es diese Freundschaft schon seit den 60er Jahren gibt, denn damals kamen viele Gastarbeiter aus dem portugiesischen Ansião nach Erbach, wurde die Verschwisterung offiziell erst in 1992 besiegelt. Mehr Informationen zu der Partnerschaft und insbesondere zu Ansião haben wir für Sie gesondert zusammengefasst.

Die Portugiesische Kulinarik ist trotz der geringen Größe des Landes sehr vielfältig: Die traditionelle Küche basiert auf einer großen Fisch- und Meeresfrüchtevielfalt, Fleisch, Gemüse, Reis und Kartoffeln; auch der Feijão, die Bohne, ist ein wichtiger Bestandteil der portugiesischen Küche, die zum Teil auch für Süßspeisen verwendet wird. Eintöpfe und Suppen spielen von jeher eine große Rolle. Zur Zubereitung wird reichlich Olivenöl verwendet. Im Norden isst man eher herzhaft, mit viel Fleisch und energiebeladenen Zutaten, besonders um die kalten Winter gut durchzustehen. Es werden gern kalte und warme Vorspeisen und Snacks, die sogenannten Petiscos, serviert. Kulinarische Einflüsse der ehemaligen portugiesischen Kolonien finden sich vor allem in den Städten, weniger in den ländlichen Regionen.

Beim Essen in einem Restaurant ist die Suppe als erster Gang fast obligatorisch. Eine sehr traditionelle Suppe ist Caldo verde (portugiesisch für „grüne Brühe“). Darunter versteht man eine Suppe aus dem Norden Portugals, die zu den Nationalspeisen des Landes gehört. Das Rezept stammt ursprünglich aus der Region zwischen den Flüssen Douro und Minho, an der Grenze zu Galicien und verbreitete sich dann aber über ganz Portugal. Es ist eine dünne Kartoffelcremesuppe mit in feine Streifen geschnittenen Blättern der Couve Galega, portugiesische Variante des Grünkohls, serviert mit dünn geschnittenen Scheiben der Chouriço, einem kräftigen Schuss Olivenöl und einer Scheibe Broa, dem typischen Maisbrot aus dem Minho.

Für Südportugal sehr typisch ist der Gazpacho, eine kalte Gemüsesuppe aus Tomaten, Gurken und Knoblauch.

Das Grundnahrungsmittel der portugiesischen Küche ist Kabeljau (oder bacalhau), ein gesalzener und getrockneter Trockenfisch. Das Nationalgericht Bolinhos de Bacalhau zählt zu den nationalen portugiesischen Symbolen. Die Beliebtheit des Bacalhau basiert darauf, dass die portugiesischen Seefahrer sich auf ihren langen Fahrten nur von haltbar gemachten Nahrungsmitteln ernähren konnten und dieser getrocknete Fisch deshalb unentbehrlich war.

Bolinhos de Bacalhau oder Pastéis de Bacalhau („Kabeljau-Küchlein“) sind typisch portugiesische Appetithäppchen (Petiscos), frittierte kleine Bällchen aus Kartoffeln und Bacalhau (Klippfisch). Die feinen Fischküchlein, außen goldbraun und knusprig, innen zart und saftig, werden auch mit Reis und Salat als Hauptspeise serviert.

Ein bekanntes portugiesisches Sprichwort besagt, dass es mehr Kabeljau-Rezepte gibt als Tage im Jahr. So ist zum Beispiel auch Bacalhau à brás eine beliebte Speise in Portugal. Brate gehackten Kabeljau mit Zwiebeln und Kartoffeln leicht an, gib Oliven und Petersilie hinzu und schon hat man ein typisches leckeres Essen.

Gewürze werden in der portugiesischen Küche eher zurückhaltend verwendet. Viele Gerichte werden mit Knoblauch zubereitet, jedoch sparsam. Eine wichtige Rolle spielen Koriander, Muskat, Nelken, Oregano, Thymian, Paprika und Lorbeer sowie glatte Petersilie. Eine portugiesische Spezialität ist Piripiri, eine kleine rote Chilischote.

Käse wird traditionell vor oder nach einem Hauptgericht gegessen. Der bekannteste portugiesische Käse ist der Queijo da Serra – ein Schafskäse aus der Region Serra da Estrela.

Die portugiesische Küche ist bekannt für kalorienreiche Süßspeisen auf der Basis von viel Eigelb und Zucker, zum Beispiel Doce de ovo („Süßes aus Eiern“), Arroz doce („Milchreis“) und Pudim Caseiro („Hausmanns-Pudding“), ein Eierpudding mit Karamellsauce. Von besonderer Bedeutung darunter ist die gesamte Doçaria Conventual (port. für: klösterliche Süßwaren), darunter das bekannte Pastel de Nata.

Pastel de Nata ist ein Blätterteigtörtchen mit Pudding, das vermutlich bereits vor dem 18. Jahrhundert von den Mönchen des Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymus-Kloster) in Belém, heute ein Stadtteil Lissabons, hergestellt wurde. Die gebackenen Pastéis werden in Portugal meist mit Zimt oder Puderzucker bestreut gegessen.

Zum Schluss: Ein Highlight des Landes ist die Musik Fado. Sie zählt seit 2011 zum schützenswerten Weltkulturerbe der UNESCO. Vielleicht haben wir Sie inspiriert, eines der Rezepte nachzukochen und dabei Fado zu hören.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen!