Rumänische Grüße aus Marburg

In dieser Woche schauen wir uns ein weiteres europäisches Land an, in dem die Jahreszeiten mit rituellen Wintermaskentänzen, Hirtenfesten sowie Bauern- und Tanzfesten begleitet werden. Rumänien ist eine der interessantesten Regionen Europas, in der viele Mythen und Legenden entstanden sind. Ein Land mit atemberaubender Landschaft, den Karpaten, dem UNESCO-Welt- und Naturkulturerbe “Alte Buchenwälder und Buchenurwälder“ sowie „Donau Delta“ und der Küste zum Schwarzen Meer.

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Kulinarische Grüße durch Europa - Rumänien
Mămăligă – rumänischer Maisbrei und Tochitură - Fleischeintopf

Rumänien ist auch berühmt für Transsilvanien, auch genannt "Siebenbürgen", was „das Land jenseits der Wälder“ übersetzt heißt. Transsilvanien liegt im Zentrum Rumäniens, ist von der Gebirgskette der Karpaten umgeben, welche die drei historischen Regionen Moldau, Transsilvanien und Walachei voneinander trennen.

Durch den vielfach dörflichen Charakter Siebenbürgens blieben Traditionen und Brauchtum oft lebendig. Bekannt und auf jeden Fall sehenswert sind die rumänischen Volkstänze in bunt bestickten Trachten.

Der moderne rumänische Staat entstand 1859 durch die Vereinigung der Fürstentümer Moldau und Walachei. Damit entstand auch ein einheitliches Territorium. Zuvor gehörten die verschiedenen Gebiete des heutigen Rumäniens über Jahrhunderte hinweg zu den unterschiedlichsten Reichen, die das Land mit ihren jeweiligen Kulturen prägten. Besonders gut sind noch heute osmanische, habsburgische und ungarische Einflüsse in den verschiedenen Landesteilen erkennbar.

Viele Sehenswürdigkeiten laden dazu ein, tiefer in die Geschichte der Region einzutauchen. Zu ihnen gehören beispielsweise die über 150 Kirchenburgen, die vor allem von deutscher Bevölkerung zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert erbaut wurden. Zu den schönsten dieser Wehrburgen gehören die Kirchenburgen Biertan und Prejmer. Sieben der Kirchenburgen stehen auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Ebenfalls zum Weltkulturerbe erklärt wurde die Stadt Sighișoara (Schäßburg) mit ihrem historischen Zentrum.

Die Stadt Sibiu, auch Hermannstadt genannt, ist eine der repräsentativsten Städte Rumäniens. Sie wurde 2007 zur Kulturhauptstadt Europas ernannt. Die hessischen Marburger sind mit Sibiu/Hermannstadt seit 2005 partnerschaftlich verbunden. Es ist die sechste Partnerstadt Marburgs, die insbesondere von Vertretern der beiden Universitäten, der Lucian-Blaga-Universität Sibiu und der Philipps-Universität Marburg, angestrebt wurde. In Hermannstadt studieren mehr als 12.000 Studenten an 38 Fakultäten.

Der Freundeskreis Marburg – Sibiu/Hermannstadt e. V. unterstützt die bestehenden Kontakte auf universitärer, schulischer, kirchlicher und kultureller Ebene.

Seit 1989 hat sich Rumänien politisch den westeuropäischen Staaten angenähert und wurde Mitglied der NATO (2004) sowie der Europäischen Union im Jahr 2007. Das Land grenzt an Bulgarien, Ungarn, Serbien, die Ukraine sowie Moldawien. Gezahlt wird mit dem Rumänischen Leu (RON). Bukarest im Süden Rumäniens ist die Hauptstadt des Landes und das wirtschaftliche Zentrum. Sie ist mit über 1,8 Millionen Einwohnern die siebtgrößte Stadt der EU. Das prägende Gebäude ist der riesige Parlamentspalast mit 1.100 Räumen. Der Palast ist flächenmäßig das größte Gebäude der Welt.

Wenn man genauer überlegt, dann verbindet man Rumänien auch mit dem berühmten Schloss Bran und dem "Graf Dracula". Der Ort Bran befindet sich im Südosten des Siebenbürgischen Beckens, direkt an der Mündung eines Baches. Zahlreichen Romanen und Filmen über Vampire hat die Stadt es zu verdanken, dass sie mit dem Schloss eines der Symbole Rumäniens geworden ist. Lange Zeit war es die Lieblingsresidenz der rumänischen Königin, bis es 1956 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Rumänien ist ein Land voller herrlicher, nahezu unberührter und schützenswerter Landschaften. Mit einer Größe von ca. 23.000 Hektar beherbergt Rumänien den zweitgrößten Anteil an alten Buchenwäldern und Buchenurwäldern innerhalb der UNESCO-Welterbe-Reihe „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“. Hierüber bestehen auch Kontakte zum Nationalpark Kellerwald – Edersee, der ebenfalls diesem Welterbe angehört.

Die gastfreundlichen Menschen sind von verschiedenen Traditionen geprägt. So lebt auch die rumänische Küche von verschiedensten Esstraditionen und von ihren Gegensätzen: Während der Norden der Nation von der österreichisch-ungarischen Küche geprägt ist, stehen im Süden türkisch und griechisch inspirierte Speisen auf dem Tisch. Ungarische Krautwickel neben orientalisch gefüllten Weinblättern zu bestellen, ist hier nicht ungewöhnlich.

Insgesamt wird deftig und fleischhaltig gekocht und gegessen. Mais ist jedoch ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Er wird in Form von Maisgrieß und Maismehl beim Kochen und Backen verarbeitet. Bevor Maisbrei eine geschätzte vielseitige Beilage oder Hauptspeise wurde, war es eine Hauptnahrungsquelle unter der ärmeren Bevölkerung, da es an Brot gemangelt hat.

Somit ist Mămăliga, ein fest gekochter Maisbrei das, was Spaghetti für die Italiener sind: Er gehört quasi zu jedem Gericht dazu und gilt Nationalgericht. Für die Zubereitung von Mămăligă verwendet man meist ein gusseisernes Gefäß, den sogenannten ceaun. Zum Umrühren gibt es ein besonderes Werkzeug: Nach Weihnachten, bevor der alte Christbaum entsorgt wird, wird ihm die Spitze mit den letzten fünf Ästen abgeschnitten. Diese wird entrindet, getrocknet und als Rührwerkzeug verwendet. Die fertig gekochte Mămăligă wird traditionell mit einem Faden geschnitten.

Als obligatorische, traditionelle Sauce zu Fleisch, Fisch, Gemüse oder der genannten Mămăligă wird eine helle Knoblauchsauce namens mujdei de usturoi verwendet.

Das Fleisch und die Milch von Schafen spielen eine sehr große Rolle. Allgemein sind Eintöpfe ein fester Bestandteil der rumänischen Küche. Tochitură ist ein traditionelles rumänisches Gericht. Hierbei werden kleine, möglichst fettige, Fleischstücke, bei niedrigem Feuer im eigenen Fett und Säften gekocht. Ghiveci wird als ein Eintopf auch gerne fleischlos zubereitet, da der Gemüseeintopf zur Verwendung von minder schönen Gartengemüse perfekt geeignet ist.Als typische Gewürze dienen hier Liebstöckel, Bohnenkraut, Kümmel, Lorbeer, Petersilie, Dill, Knoblauch, Paprikapulver.

Mititei, auch Mici („die Kleinen“) genannt, sind ein weiteres Nationalgericht. Es handelt sich um gegrillte Hackfleischröllchen, die eine rumänische Variante der hierzulande bekannten „Cevapcici“ darstellen. Die Mititei sollen in einem Restaurant in Bukarest im 19. Jahrhundert erfunden worden sein, nachdem die Wurstdärme ausgegangen waren. Nachweislich wurden sie im Bukarester Restaurant "Caru' cu bere" erstmals 1902 angeboten. Damals wurde auch festgelegt, dass ein Kilogramm Hackfleisch mindestens drei Gramm Natriumbikarbonat enthalten sollte. Bei der Zubereitung ist auf den hohen Fettanteil des Hackfleisches zu achten, da sonst die Röllchen nicht saftig genug werden.

Die Rumänen essen gerne sauer. Dies bezeugt auch ein beliebtes rumänisches Gericht namens Ciorbă de perișoare, eine saure Gemüsesuppe mit Borş oder Sauerkrautsaft, Liebstöckel und Fleischklößchen. Unter dem Begriff Ciorbă werden eine ganze Reihe an Suppen mit einem typisch sauren Geschmack vereint. Darunter fallen Suppen mit Gemüse, Fleischsuppen mit Rind, Fleischklößchen oder Kutteln, aber auch Fischsuppen, die ihre charakteristische Säure durch Sauerkrautsaft, Essig oder Borş (= fermentierte Weizenkleie) erhalten.

Als Nachspeise empfehlen wir Ihnen die "Papanasi", die populärste Nachspeise in Rumänien, Die Quarkteiglinge werden frittiert und gleichen optisch einem Donut.

Wir wünsche Ihnen viel Spaß in der Küche und Ihrer kulinarischen Reise nach Rumänien! Guten Appetit! – Poftă bună!