Slowakische Grüße aus Weilburg

Der Sonntag nach Ostern wird als „Weißer Sonntag“ bezeichnet und fällt in diesem Jahr auf den 11. April. Also haben wir uns diese Woche ein Land in der Mitte von Europa angeschaut, in dem Ostern ebenfalls groß zelebriert wird. Wir sprechen von der Slowakei.

Mit dem „Weißen Sonntag“ endet die Osteroktav. Man geht davon aus, dass die Bezeichnung mit den weißen Taufgewändern zusammenhängt, die bei den Gottesdiensten in den Tagen nach Ostern, getragen wurden. Die Getauften legten diese Gewänder am letzten Tag der Osteroktav ab, der daher „Dies Dominica post alba“- „Sonntag nach den weißen Gewändern“ genannt wurde.

Rund zweidrittel der slowakischen Bevölkerung sind römisch-katholisch. Außerdem ist die Bevölkerung der Slowakei im Vergleich zu anderen EU-Staaten relativ jung.

Die Slowakische Republik entstand in Folge der einvernehmlichen Trennung der Tschechoslowakei am 1. Januar 1993 und ist seit 2004 EU- und NATO-Mitglied. Ihre Hauptstadt ist Bratislava (Pressburg) mit ca. 452.000 Einwohnern. Slowakei grenzt im Westen an die Tschechische Republik und Österreich, im Norden an Polen, im Osten an die Ukraine und im Süden an Ungarn.

Die slowakische Nationalflagge enthält drei Querstreifen in den panslawischen Farben Weiß-Blau-Rot (slowakische Trikolore). Am Liek findet sich das slowakische Staatswappen. Auf diesem ist ein weißes Doppelkreuz (Patriarchenkreuz) auf rotem Grund zu sehen. Es steht auf einem blauen Grund, dem blauen Dreiberg. Der Dreiberg symbolisiert die drei Berge des nördlichen Königreichs Ungarn, nämlich Tatra, Fatra und Mátra.

Zusammen mit den Sprachen Polnisch und Tschechisch gehört Slowakisch zu der Gruppe der westslawischen Sprachen. Im Unterschied zu einigen slawischen Sprachen wie beispielsweise Bulgarisch oder Russisch, die das kyrillische Alphabet verwenden, wird die slowakische Sprache mit lateinischen Buchstaben und diakritischen Zeichen (zu den Buchstaben gehörige Zeichen) geschrieben.

Unser Netzwerkpartner Städtepartnerschaftsverein Weilburg e. V. hat uns berichtet, dass insbesondere in der Slowakei die Jahreszeiten mit einigen Bräuchen verbunden werden und diese ausgiebig zelebriert werden. Wussten Sie schon, was die Bestattung des Kontrabasses bedeutet oder haben Sie schon von der Morena gehört und warum sie verbrannt wird?

In der Slowakei beeinflussen Volksbräuche sowie Traditionen das tägliche Leben sehr. So zum Beispiel wird zum Ende der Faschingszeit der „Spaß“ bestattet. Hierbei handelt es sich um junge verkleidete Männer, die singend und auf Musikinstrumenten spielend von Haus zu Haus ziehen. Dabei werden sie von Frauen mit Köstlichkeiten beschenkt. Mit der "Bestattung des Kontrabasses", weil dieser auch als Symbol der Glückseligkeit zu deuten ist, endet die heitere Zeit. Mit dem Beginn der 40-tägigen Fastenzeit ist der Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten nicht erlaubt. Auch das „Hinaustragen der Morena“ ist eine archaische Tradition, die zwei Wochen vor Ostern stattfindet. Mit diesem Brauch wird der Winter verabschiedet und der Beginn des Frühlings gefeiert. Die Morena, eine als Frau gekleidete Strohpuppe, wird von jungen Mädchen zum Fluss getragen, dort entkleidet, angezündet und anschließend ins Wasser hineingeworfen. 

Kommen wir auf die Stadt Weilburg an der Lahn zurück, die seit 1998 mit der slowakischen Stadt Kežmarok, am Fuße der Hohen Tatra im Osten des Landes, in enger Partnerschaft verbunden ist. Die Partnerschaft zwischen den beiden Städten entstand vor allem durch die Anregung des Weilburger Bürgers Dr. Emmerich Hunsdorfer, welcher aus Kežmarok (deutsch: Käsmark) stammte und in Weilburg-Waldhausen lebte.

Darüber hinaus pflegt Weilburg bereits seit über 60 Jahren Städtepartnerschaften mit sechs Städten in Europa. Darunter sind nachfolgenden Partnerschaften mit:

  • Privas – Frankreich 1958
  • Zevenaar – Niederlande 1966
  • Kežmarok – Slowakei 1998
  • Colmar-Berg – Luxemburg 2004
  • Kızılcahamam – Türkei 2006
  • Quattro Castella – Italien 2010

Zur Förderung dieser Städtepartnerschaften wurde im Jahr 2004 der Städtepartnerschaftsverein (SPV) Weilburg e.V. gegründet. Dieser zählt derzeit 120 Mitglieder. Mehr zur Vereinsarbeit im gesellschaftlichen, kulturellen, künstlerischen oder sportlichen Bereich erfahren Sie ebenfalls in einer Zusammenstellung. Die slowakischen Freunde aus Kežmarok berichten, dass die slowakische Küche aufgrund historischer Verhältnisse von den umliegenden Staaten, insbesondere der ungarischen, österreichischen und tschechischen Küche, geprägt wurde.

Traditionell basiert die slowakische Küche auf der Verwendung von Fleisch, Kartoffeln, Gemüse (vor allem Sauerkraut) und Milchprodukten. Typisch für die Slowakei sind gebratene Fleischgerichte wie Gänsebraten und Schlachtspezialitäten wie Blutwurst (jaternica), Presswurst (tlačenka) und Sulz (huspenina). Dies begründet sich zum Teil durch raue klimatische Bedingungen in vielen Gebirgen des Landes.

Suppen werden gerne in der Slowakei gekocht, so ist es naheliegend, dass eine Sauerkrautsuppe namens Kapustnica gerne serviert wird. Für die Kohlsuppe, meist mit Champignons, Wurst und rotem Paprikagewürz, gibt es kein Universalrezept. Einige Leute fügen Kartoffeln, andere mischen Pflaumen oder Äpfel hinzu, andere wiederrum fügen geräuchertes Fleisch oder Wurst bei. Es ist eines der traditionellen slowakischen Gerichte. Weitere landestypische Suppen sind Bohnensuppe (fazuľová polievka), Knoblauchsuppe (cesnaková polievka), Linsensuppe (šošovicová polievka), Rindfleisch- und Hühnersuppe sowie die Gulaschsuppe.

Charakteristisch für die slowakische Küche ist die Mehrzahl an Käsespezialitäten. Am bekanntesten ist der slowakische Schafskäse Bryndza (Brimsen), der auch als Aufstrich oder Schmierkäse verwendet wird. Daraus wird sowohl Brimsensuppe (demikát) zubereitet als auch das typischste Nationalgericht der Slowakei Bryndzove halušky (Brimsennockerl). Das sind kleine aus Kartoffelteig zubereitete Klöße (halušky), die mit Schafsfrischkäse (bryndza) vermengt und anschließend mit gebratenem Speck bestreut serviert werden. Mit diesem Gericht empfiehlt sich das Trinken von saurer Milch oder Buttermilch.

Da die Verwendung von Nocken (halušky) landestypisch ist, wird Ihnen vielleicht ein weiteres Gericht namens „strapačky“ oder „kapustové halušky“ (Sauerkrautnocken) bekannt vorkommen. Davon gibt es nämlich in den unterschiedlichen Regionen der Slowakei etliche Varianten.

Ein uns unbekanntes Gericht namens „Oškvarkové pagáče“ haben die Freunde aus Kežmarok empfohlen. Damit ist ein leckeres Hefegebäck mit Grieben gemeint und sollte wirklich nachgebacken werden.

Lokša ist ein Pfannkuchen aus Mehl und Kartoffeln. Es gibt zwei typische Arten es zu essen: süß oder salzig. Die salzige Version kann zu Kohl oder Fleisch serviert werden. Man findet es sehr oft auf den Weihnachtsmärkten. Im Herbst und Winter, wenn die Enten- und Gänsezeit beginnt, haben alle Restaurants ein köstliches Gericht auf ihrer Speisekarte: Ente oder Gans mit Rotkohl und Lokša. 

Die süße Version der Lokša wird in der Regel mit Puderzucker, Mohn, Butter und Marmelade serviert. Nicht zu verwechseln ist es aber mit dem Gericht Buchty na pare, welches aus gedämpften Knödeln mit einer Füllung besteht. Hierzu werden meist Marmelade oder Schokolade, geschmolzene Butter, Puderzucker oder Kakao verwendet. Die Einheimischen essen es normalerweise als Hauptgericht.

Wie Sie feststellen, wird in der Slowakei viel und gerne gebacken, so werden auch als Dessert verschiedene Strudelarten, Hefekuchen und Buchteln hergestellt. Nachspeisen werden vermehrt in der Weihnachts- und Osterzeit zubereitet.

Wir haben eine kulinarische Rezeptmischung für Sie zusammengestellt und wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Experimentieren mit den neuen Inspirationen.

  • Kapustnica - Sauerkrautsuppe
  • Bryndzové halušky – Brimsennocken
  • Oškvarkové pagáče - Grieben Hefegebäck
  • Lokša - salziger Pfannkuchen