Ungarische Grüße aus Geisenheim

Der 15. März wird in Ungarn dem Jahrestag des Revolutionsbeginns von 1848 gedacht. Es ist einer der drei Staatsfeiertage Ungarns. Also schauen wir uns die Ungarn etwas näher an.

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Kulinarische Reise durch Europa

Die Ungarische Revolution 1848/1849 war eng verbunden mit den anderen Aufständen in der Habsburgermonarchie. Die Revolution im Königreich Ungarn begann am 15. März 1848, als in Pest und Buda gewaltlose Massendemonstrationen den kaiserlichen Gouverneur dazu zwangen, alle 12 Punkte der ungarischen Revolutionäre zu akzeptieren, in denen unter anderem Pressefreiheit, die Aufhebung von Zensur und Frondienst gefordert wurden. Die Revolution im Königreich Ungarn entwickelte sich in der Folge zu einem Unabhängigkeitskrieg gegen die Vorherrschaft der österreichischen Habsburger. Soweit zum Ursprung dieses Gedenktages.

Ungarn ist seit 01. Mai 2004 Mitglied der Europäischen Union. Die Währung des Staates ist der ungarische Forint (HUF). In keinem anderen Land (und in keiner anderen Großstadt) der Welt gibt es so viele Thermal- und Heilquellen wie in Ungarn (über 800). Allein in der Hauptstadt Budapest gibt es rund 50 öffentliche Heilbäder.

Die ungarische Sprache ist unter den europäischen Amtssprachen lediglich mit dem Finnisch entfernt verwandt – beide zählen zur uralischen Sprachfamilie und stammen höchstwahrscheinlich aus Westsibirien. Ungarisch ist eine wunderschön melodische Sprache, doch auch eine der schwierigsten auf der ganzen Welt. Speziell für Sprecher indogermanischer Sprachen hört sich Ungarisch äußerst fremd und ungewohnt an – viele Landesbewohner, insbesondere in touristischen Gebieten, sprechen allerdings sehr gut Deutsch, das zusammen mit dem ungarischen Akzent sehr charmant klingt.

Die Nationalflagge Ungarns ist eine horizontale Trikolore in Rot, Weiß und Grün und ein fester Bestandteil der ungarischen Identität. Auch dem Besucher in Ungarn wird das typische Piros-Fehér-Zöld unweigerlich begegnen, egal ob als Flagge, Kokarde, Souvenir oder Banderole um Salami, Kolbász oder Unicum - viele ungarische Produkte und Souvenirs tragen heute häufig die Nationalfarben der Trikolore.

Der Volksmund spricht den drei Farben folgende Bedeutung zu: Rot steht für das viele Blut, das die Ungarn in zahlreichen Freiheits- und Unabhängigkeitskämpfen verloren haben. Weiß steht für die Reinheit und Sauberkeit des Landes. Diese beiden waren die Farben der Flagge der ersten Ungarn, die in den Karpatenbecken gesiedelt hatten – „Árpád-Streifen“. Grün ist die Farbe der Revolution aus dem 19. Jahrhundert. Dass die 1992 eingeführte Flagge Tadschikistans dieselbe Farbreihenfolge wie die Flagge Ungarns hat, ist reiner Zufall und nicht auf gemeinsame Wurzeln zurückzuführen.

Es gibt in Ungarn sehr viele traditionelle Bräuche. Das fängt schon mit der Schreibweise des Datums an, denn hier schreiben die Ungarn zuerst das Jahr und dann den Monat gefolgt vom Tag. Auch die Schreibweise des Namens ist anders, denn hier schreibt man zuerst den Nachnamen und dann den Vornamen. Wenn eine Frau heiratet, trägt sie fortan traditionell den Nachnamen des Ehemannes, jedoch wird hier ein né angehängt. Sehr bekannt ist Ungarn auch für seine Kaffeehaustradition. Mehr als 500 Kaffeehäuser zählte Ungarn im Jahre 1910, von denen sehr viele ein Intellektuellentreffpunkt waren. Noch heute ist Ungarn und besonders Budapest bekannt für seine vielen Kaffeehäuser.

Wer heute ins Land reist, trifft auf Weltoffenheit, Vielfalt und vor allem eine große Gastfreundschaft und natürlich auf verschiedene „Hungarika“. So nennt man typisch ungarische Erzeugnisse mit bekanntem Namen sowie langer Tradition.

Wir wollten mehr dazu wissen und haben uns bei unserem Netzwerkpartner, dem Bund der Partnerstädte Szerencs - Geisenheim e.V., erkundigt. Denn Geisenheim pflegt eine Partnerschaft mit dem Weinbauort Szerencs. Die Stadt zählt rund 11.000 Einwohner und stellt einen der Straßen-und Eisenbahnknotenpunkte im Nordosten Ungarns dar, am Treffpunkt der Tiefebene und des Zemplén-Gebirges. Die Schul-und Weinstadt ist Nachbarort des weltberühmten Weinbauortes Tokaj.

Tokajer – ungarischer Wein: Der berühmteste Wein des Landes besticht durch einen einzigartigen Geschmack und seine goldene Farbe, die sich durch die Lage der Berghänge, intensive Sonne, die Nähe zu den Flüssen Bodrog und Theiß ergeben, diese sorgen nämlich für ein besonderes Klima, in dem die Trauben vom Schimmelpilz Botrytis cinera befallen werden und so eine Edelfäule durchlaufen. So kann der Most dieser Trauben einen Zuckergehalt von 850g/l aufweisen. Eingang fand der Tokajer sogar in die ungarische Nationalhymne, in der man diesbezüglich vom „Geschenk Gottes“ singt, der Spätlese-Wein erfreute sich größter Beliebtheit an den Adelhöfen Europas und in Ungarn wurde er deshalb auch als „flüssiges Gold“ bezeichnet.

Die ungarische Küche bietet vor allem einfache und sättigende Gerichte, die mit Paprika, Zwiebeln und Tomaten zubereitet werden. Das Essen in Ungarn ist traditionell fett, schwer, aber auch vitaminreich, oft würzig und reich an Fleisch, außerdem sparen die Ungarn bekanntlich nicht am Knoblauch. Eine zentrale Rolle in der ungarischen Küche nehmen Paprika (frisch, als Pulver oder püriert) und Sauerrahm (tejföl) ein, die zum Würzen und Abschmecken einer Vielzahl an Speisen dienen. Das traditionelle Kochgerät ist der Kessel (bogrács), meist aus Kupfer. Darin wurden viele Speisen auf offenem Feuer zubereitet.

Bekannt ist die ungarische Küche vor allem für Gulaschsuppe (Gulyás). Was wir in Deutschland als Gulasch bezeichnen, nennt sich in Ungarn Paprikás bzw. Pörkölt. Jetzt kann man vermuten, dass im Paprikás besonders viel Paprika drinsteckt. Tatsächlich ist hier aber sogar weniger Gewürzpaprika als im traditionellen Gulyás. Dafür enthält das Paprikás mehr saure Sahne bzw. Creme Fraiche. Es wird normalerweise mit hellem Fleisch wie Hühnchen oder auch Weißfisch zubereitet.

Das Pörkölt unterscheidet sich zusätzlich durch einen höheren Anteil an Zwiebeln und Gewürzpaprika. Die Soße ist eher sämig und ähnelt einem Ragout. Als Beilage werden üblicherweise Nockerln mit einer Sauercreme gereicht.

Halászlé ist eine Fischsuppe und ist ebenfalls eine ungarische Spezialität. Der Name leitet sich aus den ungarischen Wörtern hal = „Fisch“ bzw. halász = „Fischer“ und lé = „Saft“/„Brühe“ ab. Normalerweise werden für diese Suppe Weißfische wie Karpfen oder Zander verwendet.

Ungarisches Töltött steht für gefüllte Paprika und Kohl und kann auf unterschiedliche Arten zubereitet werden. Seien es die Krautwickel (töltöttkáposzta), die gefüllten Zwiebeln (töltött hagyma) oder die Varianten mit Paprika (töltött paprika). Es gibt viele Varianten für gefülltes Gemüse. Für die Töltött Paprika werden beispielsweise gelbe Spitzpaprika verwendet. Diese werden mit einer Mischung aus Hackfleisch und Reis gefüllt und anschließend in einer Tomatensoße langsam geschmort.

Letcho (ungarisch Lecsó, tschechisch und slowakisch Lečo, polnisch Leczo, spanisch Lecho, baskisch und katalanisch Letxo) ist ein Schmorgericht der ungarischen Küche, welches grundsätzlich aus gelber Spitzpaprika, Tomaten und Zwiebeln besteht. Letcho ist in Ungarn eine Hauptmahlzeit und keine Beilage, deshalb wird es manchmal mit Eiergraupen (Tarhonya) zubereitet. Es können auch Lecsókolbász (eine ungarische Wurstsorte), Wein und Reis hinzugefügt werden.

Eiergraupen, ungarisch Tarhonya, sind traditionelle Teigwaren. Zur Herstellung wird aus Eiern und Mehl sowie wenig Salzwasser ein fester Teig geknetet und durch ein spezielles großlöchriges Sieb gedrückt.

Für Ungarns Tradition im Bereich der Back- und Süßwaren zeugen unter anderem die Palatschinken, die Esterházy-Torte, die Dobostorte, Gerbaudschnitten (Zserbó-szelet) oder Schomlauer Nockerln (somlói galuska).

Lángos ist eine ungarische Spezialität, die auch in Deutschland durch die Weihnachtsmärkte bereits eine gewisse Bekanntheit erlangt hat. Hierbei handelt es sich um einen Fladen aus Hefeteig, der in Fett ausgebacken wird. Nach dem Ausbacken wird der Langós-Fladen oft noch mit einer Creme aus Sauerrahm und Knoblauch bestrichen und mit Käse bestreut.

Palatschinken heißen ungarisch „palacsinta“ und stellen sozusagen ein Omelett als süße Variante dar. Uns ist das Gericht als Eierpfannkuchen, Pancake oder Crêpes geläufig. Palatschinken sind wahrscheinlich seit Jahrtausenden weltweit bekannt. Landestypisch wird der Pfannkuchen mit gemahlenem Walnuss oder Mohn mit Aprikosenmarmelade oder mit Quark und Rosinen gefüllt. Am pfiffigsten vorbereitet wird die Gundel-Palatschinke, die mit Walnüssen und Schokoladensoße gereicht wird.

Wir haben für Sie vier landestypische Rezeptvorschläge zusammengestellt.

  • Gulyás
  • Lángos
  • Letcho
  • Palatschinken

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Nachbacken und Nachkochen!