Europastaatssekretär besucht Nordhessen

„Vielen Hessinnen und Hessen liegt Europa sehr am Herzen. Es gibt zahlreiche europäische Partnerschaften, Vereine und kommunale Einrichtungen, die alle der Einsatz für die europäische Idee vereint. Am 05+06.03 und 12+13.02.2020 besuchte Europastaatssekretär Mark Weinmeister einige von den Netzwerkpartnern. Dabei hat er drei neue Kommunen im Europanetzwerk begrüßt.

Hohenroda_05.03.20_2.jpg

Europastaatssekretär in Hohenroda am 05.03.2020
In Hohenroda begrüßte Bürgermeister Andre Stenda und die Vertreter der Partnerschaftsvereinen den Europastaatssekretär.

Am 05. März 2020 besuchte Europastaatssekretär Mark Weinmeister Netzwerkpartner in Nordhessen. Seine Reise begann vormittags mit dem Besuch der Stadt Heringen, wo er sich im Gespräch mit dem Bürgermeister Daniel Iliev über die Erfahrungen im Rahmen des Programms WiFi4EU informierte. Diese Initiative der Europäischen Kommission finanziert, über eine Vergabe einzelner Gutscheinen an die Kommunen, die Einrichtung von WiFi-Hotspots in dessen Zentren des öffentlichen Lebens. Heringen gehörte zu den ersten Kommunen, die an der ersten Ausschreibung Ende 2018 teilgenommen haben und einen Gutschein in Höhe von 15.000 € erworben haben. Im Rahmen der Initiative, bei der insgesamt 42 Millionen Euro vergeben werden, hatten sich 13.000 Kommunen aus ganz Europa beteiligt, davon 1824 aus Deutschland. Berücksichtigt wurden 2.800 Gemeinden, davon 224 aus Deutschland und 32 aus Hessen. Darüber hinaus sprach Weinmeister mit dem Bürgermeister über die aktuellen Beziehungen zu den Partnerstädten Rombas in Frankreich und Odolanów in Polen. Innerdeutsche Städtepartnerschaft wird mit Heringen/Helme in Thüringen gelebt. Die Kleinstadt Heringen „im Land der Weißen Berge“ mit etwa 7.200 Einwohnern, liegt direkt an der Landesgrenze zu Thüringen.

Im Anschluss besuchte Weinmeister die Gemeinde Hohenroda, welche in die Ortsteile Ausbach, Glaam, Mansbach, Oberbreitzbach, Ransbach und Soislieden gegliedert ist. Auch Hohenroda nahm an der Verlosung des WiFI4EU Programms teil. Bürgermeister Andre Stenda berichtete jedoch, dass die Gemeinde auf die Einlösung des Gutscheins verzichtet. Die WiFi-Installation in allen Ortsteilen würde, da mangels eines konkreten Gemeindekerns, zu erheblichen Wartungskosten führen. Neuigkeiten gab es in der Entwicklung des Schlosses Hohenroda. Durch den Verkauf an einen Investor, der für die Sanierung Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums - ELER erhalten hat, wird ein denkmalgeschütztes und modernes Seminar- und Gästehausangebot im Nordhessischen Raum geschaffen.

Die Netzwerkreise führte weiter in die Kurstadt Bad Hersfeld, wo der Bürgermeister Thomas Fehling ausführlich über die Entwicklung des Wever-Geländes informiert hat, welches die wesentliche zukünftige Innenstadterweiterung Bad Hersfelds darstellt. Die Stadt profitierte in letzter Zeit von den EU-Mitteln unter anderem für die Einrichtung eines barrierefreien Teilstücks des Pilgerweges Lutherweg 1521 (EFRE-gefördert). In Sachen Städtepartnerschaften kann sich Bad Hersfeld auf eine sehr aktive Bürgerbeteiligung verlassen. Neben den offiziellen Kontakten zwischen den Repräsentanten werden die Beziehungen zwischen den Partnerstädten L'Haÿ-les-Roses in Frankreich, Sumperk in Tschechien, Malmesbury in Großbritannien und Bad Salzungen in Thüringen, ganz wesentlich von ehrenamtlichen Partnerschaftsvereinen in Bad Hersfeld gestaltet. Das Gespräch fand in Anwesenheit der Vorsitzenden der Städtepartnerschaften statt.

Am 06.03.2020 begrüßte Europastaatssekretär Mark Weinmeister zwei neue Netzwerkpartner, die nördlichste Gemeinde Hessens Bad Karlshafen und die Dornröschenstadt Hofgeismar. Zusammen mit dem Bürgermeister Marcus Dittrich konnte sich Weinmeister in Bad Karlshafen überzeugen, wie erfolgreich eine kommunale Projektplanung erfolgen kann. Bei der Wiederanbindung des historischen Hafens an die Weser und dem Neubau einer Schleuse sowie eines Schleusenbetriebsgebäudes, die mit EFRE-Mitteln gefördert wurden, waren sowohl die Zeit als auch die Finanzplanung beispielhaft eingehalten worden. Nach 90 Jahren erhielt die Stadt Bad Karlshafen wieder eine direkte Anbindung an die Weser. Damit kommt die Stadt dem Wunsch nach Wiedergewinnung städtebaulicher und touristischer Attraktivität nach.

In Hofgeismar besuchte Europastaatssekretär das Lerncafé zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener, welches in der Stadtbücherei untergebracht ist. Mit dem Projekt, welches mit ESF-Mitteln gefördert wurde, ist ein Grundbildungszentrum in der Stadt und dem Landkreis Kassel, mit den Standorten Kassel, Wolfhagen und Hofgeismar geschaffen worden. Des Weiteren besuchte er zusammen mit dem Bürgermeister Markus Mannsbarth eine EFRE-geförderte Maßnahme. Ihre Ursprünge hatte die im Jahr 2002 gegründete Ess-Bar in einem kleinen Imbissbetrieb und wurde über Jahre immer weiterentwickelt und nun zu einem Hotel mit 46 Doppel- und Familienzimmern mit insgesamt 100 Betten umgebaut; auch die Restauration-, Bankett- und Kongresskapazitäten wurden auf 500 Sitzplätze erweitert. Hofgeismar hatte ein hohes Interesse an Übernachtungsmöglichkeiten zur Stärkung ihrer touristischen Infrastruktur, sowie die Unterbringungsmöglichkeit von Reisegesellschaften.

Am 12. März 2020 führte Weinmeister seine Netzwerkreise fort und besuchte die Stadt Baunatal, wo sich der Staatssekretär über die Aktivitäten der drei langjährigen Städtepartnerschaften informierte. In Beisein der Bürgermeisterin Silke Engler haben die Vorsitzenden der Partnerschaften mit den Städten Vire Normandie in Frankreich, Vrchlabi in Tschechien und San Sebastian de Los Reyes in Spanien über die aktuellen Aktivitäten berichtet. Die Hauptaufgabe der Städtepartnerschaften ist es, den Gedanken der Völkerverständigung, der europäischen Vereinigung sowie die persönlichen städtepartnerschaftlichen Beziehungen zu fördern und mit Leben zu füllen.

Den Nachmittag verbrachte Europastaatssekretär Weinmeister in Gesprächen mit den Vertretern des gemeinnützigen Vereins „piano e.V. in Kassel. Der Verein wird mit EU-Fördermitteln im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps (ESK) gefördert, in dem derzeit 4 Freiwillige aus Ungarn, Frankreich und Italien vor Ort eingebunden sind. Piano e.V. hat das Ziel, die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam mit allen Mitwirkenden zu bewältigen und die Chancen bestmöglich zu nutzen. Deshalb engagieren sie sich in verschiedenen Projekten für die gute Nachbarschaft. Das Europäische Solidaritätskorps ist ein Programm der Europäischen Union, es fördert grenzüberschreitende, sowie in begrenztem Umfang auch inländische Aktivitäten, die der Gemeinschaft zugutekommen. Mit der Förderung von freiwilligem Engagement und praktizierter Europäischer Bürgerschaft junger Menschen setzt das ESK ein deutliches Zeichen für ein solidarisches und soziales Europa. Solidarität ist einer der Grundwerte der Europäischen Union.