„Europa muss enger zusammenarbeiten“

Die hessische Europaministerin Lucia Puttrich fordert beim Europaempfang in Hanau eine engere Kooperation der EU-Staaten in zentralen Fragen / „Deutschland muss seine Führungsrolle in der Europäischen Union stärker wahrnehmen“

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Lucia Puttrich
Lucia Puttrich

HANAU. Die hessische Europaministerin Lucia Puttrich tritt dafür ein, dass die Staaten der Europäischen Union in zentralen politischen Bereichen enger und intensiver zusammenarbeiten. Es gebe eine ganze Reihe von Aufgaben, die auch das stärkste Mitgliedsland nicht allein für sich lösen könne, sagte Puttrich am Freitag beim Hessischen Europaempfang in Schloss Philippsruhe in Hanau. Die Ministerin nannte als Beispiele die Sicherheits- und Verteidigungspolitik und die Asyl- und Migrationspolitik. Puttrich machte sich zugleich dafür stark, dass Deutschland seine Führungsrolle in der Europäischen Union stärker wahrnehme.

In ihrer Rede verglich die hessische Europaministerin die EU mit einem Haus, das vor sechzig Jahren für viel weniger Bewohner gebaut worden sei und nun sanierungsreif sei.

„Wir müssen Europa reformieren, damit wir auch weitere Jahrzehnte hier gemeinsam gut leben können“, sagte sie. Das sei möglich, wenn alle Partner die Vielfalt Europas respektierten und sich zugleich ihrer gemeinsamen Werte und Wurzeln bewusst seien.

In der Sicherheits- und der Verteidigungspolitik zum Beispiel gebe es nun Initiativen, die noch vor einem Jahr unvorstellbar gewesen seien. Puttrich lobte den Beschluss von 23 der noch 28 EU-Staaten zu einer militärischen Zusammenarbeit als Grundsatzbeschluss von historischem Ausmaß. Hier entstehe keine Konkurrenz zur NATO und auch keine Bedrohung für irgendwen. Europa setze aber ein wichtiges Signal, dass es sich bei diesem Thema nicht länger hauptsächlich auf andere verlasse, sondern auf sich selbst.

„In der Migrations- und Asylpolitik hat sich in den vergangenen zwei Jahren gezeigt, wo die europäische Solidarität endet“, sagte Lucia Puttrich weiter. Dabei könne Europa die Sicherung seiner Außengrenzen und die Aufnahme und Integration von Menschen, die zu Recht in Europa Schutz vor Verfolgung suchten, nur gemeinsam bewältigen. Die
Europaministerin mahnte eine europaweite Lösung zur geregelten Einwanderung an.

Beim Reizthema Finanzen wünscht sich Lucia Puttrich in Deutschland mehr Ehrlichkeit. Deutschland sei der größte Nettozahler der Gemeinschaft, profitiere als Exportland aber auch besonders von einer starken EU. Insgesamt müsse Deutschland seine Führungsrolle in Europa stärker wahrnehmen. In vielen anderen Ländern richte sich der Blick vor allem bei wichtigen Themen ganz selbstverständlich auf Deutschland. Zugleich dürften kleine Partner nicht einfach übergangen werden. „Das ist ein schwieriger Spagat, bei dem wir in den vergangenen Jahren nicht immer erfolgreich waren“, sagte Puttrich.

Gastredner des Abends, zu dem rund 200 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, der konsularischen Vertretungen in Hessen sowie von Vereinen und Institutionen mit europäischem Hintergrund gekommen waren, war der
Ausnahmesportler und Unternehmer Dr. Michael Groß. Mit insgesamt 21 Titelgewinnen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, weiteren Medaillen und 12 Weltrekorden ist er der erfolgreichste Schwimmsportler Deutschlands. Heute lehrt er unter anderem an der Goethe-Universität in Frankfurt, publiziert Fachaufsätze und Bücher und ist als Unternehmensberater tätig.

Groß berichtete unter dem Titel „Respekt schafft Perspektiven“ über die Bedeutung von „Respekt, Fairness und Toleranz“ und seine persönlichen Erfahrungen in einem internationalen Umfeld. Der Europaempfang stand unter dem Motto „Respekt für Europa“ und zählt zu den Veranstaltungen im Rahmen der Kampagne „Hessen lebt Respekt“, die die Hessische Landesregierung für 2017 ausgerufen hat, um für ein besseres Miteinander in der Gesellschaft zu werben.

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