„Wir müssen für die Werte eintreten, die Europa ausmachen“

Europaministerin Lucia Puttrich ruft beim 5. Hessischen Europaempfang in Kassel zum Einsatz für Europa auf: „1989 haben wir erlebt, was der Mut der Menschen in Ostdeutschland und ihr Wunsch nach Freiheit auslösten / „Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich“, sagt Gastredner Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen.

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Europaministerin Lucia Puttrich ruft beim 5. Hessischen Europaempfang in Kassel zum Einsatz für Europa auf: „1989 haben wir erlebt, was der Mut der Menschen in Ostdeutschland und ihr Wunsch nach Freiheit auslösten
Hessischer Europaempfang in Kassel

Die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich ruft dazu auf, couragiert und engagiert für Europa und seine Werte einzutreten und sie gegen Angriffe von innen und außen zu schützen. „Wir müssen für die Werte eintreten, die Europa ausmachen. Das große Jubiläum dieses Jahres – 30 Jahre Mauerfall – ist ein guter Anlass für dieses Thema. 1989 haben wir erlebt, was der Mut der Menschen in Ostdeutschland und ihr Wunsch nach Freiheit auslösten. Sie haben Deutschland und die Welt verändert, denn deutsche Wiedervereinigung und geeintes Europa wären ohne sie niemals Wirklichkeit geworden. Damit Freiheit eine Zukunft hat, brauchen wir aber auch heute Courage“, sagte Lucia Puttrich am Freitag beim 5. Hessischen Europaempfang. Zu der Veranstaltung in Kassel waren rund 250 Gäste aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur nach Kassel gekommen. Gastredner war Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.

„Die Bundesrepublik Deutschland bekennt sich seit 1949 zur Idee eines vereinten Europa sowie den Grund-, Freiheits- und Menschenrechten eines jeden Einzelnen. Das müssen wir uns in Erinnerung rufen, wenn Europa heute wieder durch extremistische und populistische Strömungen in Bedrängnis gerät“, betonte die Ministerin weiter. Eines dieser Grundrechte sei die Meinungsfreiheit. Doch gerade in Kassel habe man durch die feige Ermordung des Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke erlebt, was passiere, wenn die Grenzen der Meinungsfreiheit durch Hass und Hetze überschritten werden.

„Mauerfall vor 30 Jahren und EU-Osterweiterung vor 15 Jahren waren Glücksmomente der deutschen und europäischen Geschichte und legten die Grundlage für das Europa, in dem wir heute leben“, sagte die Hessische Europaministerin weiter. Als überzeugte Europäerin wolle sie, dass das geeinte Deutschland mit seinen Nachbarn daran arbeitet, Europa zukunftsfest zu machen. Dazu brauche es in allen Mitgliedsstaaten Menschen, die für die gemeinsamen Werte eintreten, damit auf diesem Wertefundament eine echte europäische Identität wachsen und gedeihen könne. „Ich freue mich, dass wir mit Ursula von der Leyen ab November eine Präsidentin der EU-Kommission haben, die mit ihrer Agenda bereit ist, das zu schützen, was uns in Europa ausmacht – nämlich unsere Werte!“, betonte Lucia Puttrich.

Ein Verteidiger unserer Wertegemeinschaft sei auch der frühere Journalist und Bürgerrechtler Roland Jahn. „Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich“, hatte der heutige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik seinen Vortrag überschrieben. „Der Blick in die Geschichte kann die Sinne schärfen für die Werte, die wir heute und hier leben wollen. Freiheit und Demokratie sind umso kostbarer, wenn wir uns vor Augen halten, was Teilung und Unfreiheit in Deutschland und in Europa wirklich für die Menschen bedeutet haben.“

Am Beispiel von Biografien aus der ehemaligen DDR schilderte Roland Jahn exemplarisch, was Courage in der Unfreiheit konkret bedeutete. Die Erinnerung an das Geschehene könne ein Kompass sein, um die Werte der heutigen Gesellschaft zu erkennen und zu verteidigen, betonte er: „Es sind vier Helden aus vier Jahrzehnten. Sie und viele andere haben den Weg bereitet für die Friedliche Revolution. Ihr Mut, Ihre Taten, sie legten den Pfad für den Herbst 1989.“

Aus Sicht des früheren Journalisten und Bürgerrechtlers Roland Jahn hat „die Geschichte des Widerstands und Widerspruchs in der DDR viele Helden. Nicht nur in der Revolution 1989. Eine Würdigung der ostdeutschen Revolutionsgeschichte im europäischen Kontext ist lange überfällig. Wir brauchen einen Ort, der würdigt, wie die Freiheit errungen wurde.“

Das musikalische Rahmenprogramm des Europaempfangs bestritt der polnische Tenor Maestro Jacek Pazola. Er stammt aus Posen, der Hauptstadt der hessischen Partnerregion Wielkopolska. Pazola ist in seinem langen künstlerischen Schaffen auch durch Hessen geprägt worden und hat als Solist das Frankfurter Opernhaus bereichert und die Konzertaktivitäten der Alten Oper Frankfurt geleitet. Bei seinen Darbietungen zum Europaempfang wurde er durch die Pianistin Julia Reingardt begleitet, die unter anderem an der Musikakademie Kassel studiert hat und am Institut für Musik der Universität Kassel lehrt und Meisterkurse sowie Wettbewerbe begleitet. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern nordhessischer Schulen stimmten Jacek Paola und Julia Reingardt zum Abschluss die Europahymne „Ode an die Freude“ an.

Hintergrund

Der Hessische Europaempfang wurde durch die Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich, ins Leben gerufen und findet seit 2015 jährlich an einem anderen Ort in Hessen statt. Ziel des Empfangs ist es aktuelle Fragestellungen der Europapolitik aufzugreifen und den Blick auf bedeutende Entwicklungen in Gesellschaft, Wissenschaft und Forschung zu richten. Gastredner waren unter anderem EU-Kommissar Günther H. Oettinger, der frühere Rekordschwimmer Michael Groß, Astronaut Dr. Thomas Reiter und der langjährige deutsche Botschafter in Großbritannien, Dr. Peter Ammon.

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