Die EU sorgt für fairen Handel mit anderen Teilen der Welt

Der Wohlstand in der Europäischen Union beruht auf einem freien und offenen Welthandel. Allein in der EU hängen 31 Millionen Arbeitsplätze vom Export ab. Das entspricht fast jedem siebten Arbeitsplatz in Europa. Unsere Handelsabkommen legen den Grundstein für faire Handelsbeziehungen mit anderen Teilen der Welt. Die EU setzt sich für einen regelbasierten Handel ein und unterstützt dabei die Reformbemühungen der Welthandelsorganisation (WTO).

Handelsabkommen helfen Unternehmen dabei, neue Absatzmärkte zu finden  und Arbeitsplätze zu schaffen – besonders in einer Exportnation wie Deutschland. Die Verbraucher profitieren ebenso. Vom Sofa aus zu niedrigeren Preisen weltweit in der digitalen Warenwelt einzukaufen oder in Einkaufszentren ein breites Sortiment vorzufinden, sind Errungenschaften, die es in einer Ära des wieder um sich greifenden Protektionismus zu verteidigen gilt. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass wir uns mit langen Lieferketten in kritischen Bereichen wir Arzneimitteln zu abhängig von einzelnen Drittstaaten gemacht haben. Hier steuert die europäische Politik dagegen, um strategische Autonomie zu gewährleisten. Doch die EU bleibt fest entschlossen, an der Politik offener Märkte festzuhalten und dem Trend zur Abschottung entgegenzuwirken. 

Prognosen sagen, dass 90 Prozent des globalen Wirtschaftswachstums in den nächsten 10 bis 15 Jahren außerhalb der EU stattfinden wird. Vor diesem Hintergrund bieten Handelsabkommen der EU mit Drittländern große Chancen für Europa. Zur Wahrheit gehört auch, dass nicht alle Branchen gleichermaßen von der Öffnung der Märkte profitieren. Wenn Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verloren gehen, liegt das allerdings oft mehr an der Digitalisierung und Automatisierung als am freien Handel.

Anders als oft behauptet sind es nicht die multinationalen Konzerne, sondern vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die vom Abbau von Zöllen und anderen Handelsbarrieren am meisten profitieren. Konzerne haben in der Regel die Ressourcen, um sich in verschiedenen Märkten mit komplexen Regulierungssystemen zurechtzufinden oder in anderen Ländern eine eigene Fertigung aufzubauen. Kleinere Unternehmen haben diese Ressourcen nicht.

Handelsabkommen zeigen schnell Erfolge. Die EU-Exporte nach Kanada sind ein Jahr nach Anwendung beispielsweise um 15 Prozent gestiegen. Das EU-Handelsabkommen mit Südkorea, das seit 2011 in Kraft ist, brachte einen Durchbruch für deutsche Mittelständler auf diesem Markt. Seit Inkrafttreten ist der Wert deutscher Exporte nach Südkorea um mehr als 70 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro jährlich gestiegen. 

In den letzten fünf Jahren sind in der EU 16 neue Handelsabkommen in Kraft getreten, darünter wichtige Verträge mit Kanada, Mexiko, Japan, Singapur und Vietnam. Zu einer soliden Handelspolitik gehörden auch Handelsschutzinstrumente, denn nur ein fairer Handel ist ein freier Handel. Gegen Dumping und unfairen Wettbewerb durch staatliche Investitionen hat die EU ein mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO kompatibles Instrumentarium, das sie auch stets nachschärft und entschieden einsetzt, zum Beispiel gegen Dumpingpreise bei Stahl und Stahlprodukten aus China. Entwicklungsländer haben ihrerseits die Option, ihre Landwirtschaft und Agrarunternehmen durch Einfuhrzölle auf Importe aus Europa zu schützen.

Mit ihrer wertebasierten Handelspolitik verfolgt die EU das Ziel, Wirtschaftswachstum mit sozialer Gerechtigkeit, Menschenrechtsstandards und Normen in den Bereichen Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz zu verbinden und Rechtsstaatlichkeit sowie gute Regierungsführung zu fördern. Vietnam zum Beispiel hat seine Arbeitsrechte deutlich verbessert, um ein Abkommen mit der EU zu bekommen. Die vier Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraquay und Uruquay haben sich im 2019 ausverhandelten, aber noch nicht ratifizierten Abkommen mit der EU zu den Pariser Klimazielen und großflächiger Wiederaufforstung verpflichtet. 

Laut einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2019 sind 78 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass die Europäische Union die Handelsinteressen ihrer Mitgliedstaaten besser verteidigt, als dies die Länder in Eigenregie leisten würden. Europaweit teilen 71 Prozent der Befragten diese Sichtweise.