Die EU senkt die Zahl der Verkehrstoten

Ein Glas Alkohol zu viel getrunken, eben mal aufs Handy geschaut oder das Gaspedal durchgedrückt – und schon ist der Unfall passiert. Auf Europas Straßen sterben zwar immer weniger Menschen, die EU will die Zahl der Verkehrstoten aber weiter senken - und zwar auf nahezu Null. Gemeinsame Regeln und technische Vorgaben sorgen für mehr Verkehrssicherheit und schnelle Hilfe im Notfall.

Die Europäische Union hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Zahl der Verkehrstoten soll bis 2050 auf nahezu Null gesenkt werden. Dabei wurden schon wichtige Erfolge erzielt. Während 2001 noch 54.000 Personen auf Europas Straßen starben, waren es 2010 nur noch 31.500 Menschen und 2019 laut EU-Statistik noch rund 22.800. Trotz dieser Verbesserungen sind weitere konkrete Maßnahmen notwendig. 

Mit europaweiten Vorgaben versucht die EU, in allen Staaten für mehr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen. Oft ist zu schnelles Fahren der Grund für einen Unfall. Um Temposünder zu bestrafen, hat die EU dafür gesorgt, dass Knöllchen inzwischen europaweit verfolgt werden. Wer also im Urlaub in Italien zu schnell fährt und geblitzt wird, dem wird das Bußgeld nach Hause zugestellt. Die Behörden haben inzwischen ein System, um untereinander Knöllchen auszutauschen.

Um Motorradfahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger besser zu schützen, wurde der Weitwinkelspiegel für neue Lkw in der EU seit 2007 Pflicht; ältere Lkw mussten seit 2009 damit ausgerüstet sein. Weitwinkelspiegel haben bereits dazu beigetragen, die Zahl der Unfälle zu senken, bei denen Motorradfahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger von Lastkraftwagen angefahren werden. 

Abbiegeassistenten für Busse und Lkw werden bei neuen Fahrzeugtypen ab 2022, für alle neuen Lkw und Busse dann ab 2024 Pflicht. So sollen häufig tögliche Abbiegeunfälle mit Fußgängern und Radfahrern künftig verhindert werden. EU-weit vorgeschrieben sind ab 2022 auch Spurhalteassistenten, eine intelligente Geschwindigkeitsassistenz sowie ein erweitertes Notbremsassistenzsystem für neue Pkw. 

Die EU unterstützt außerdem die Mitgliedstaaten dabei, die Straßen gut instand zu halten. Die Europäische Kommission setzt sich auch für Aktionen ein, um Autofahrer für Gefahren zu sensibilisieren. Denn oft ist Alkohol, manchmal sind auch Drogen im Spiel, wenn ein Unfall passiert.

Die EU hat außerdem gemeinsame Regeln für die Erste Hilfe aufgestellt. Das 2015 EU-weit eingeführte E-Call-System wurde 2018 für alle Neuwagen in der EU verpflichtend. Bei einem Unfall wählt es automatisch den 112-Notruf und gibt mithilfe der Galileo-Satellitennavigation den Unfallort durch, um Rettungskräfte zu alarmieren. Das kann Schätzungen zufolge die Zahl der Verkehrstoten um weitere vier Prozent reduzieren.