Europa macht das mobile Internet erschwinglich

Es ist noch nicht lange her: Man sitzt im Urlaub am Strand und telefoniert vergnügt nach Hause oder liest seine Mails und lädt Fotos hoch. Und ein paar Wochen später kommt die Schock-Rechnung des Mobilfunkbetreibers. Die EU hat beharrlich gegengesteuert – mit Erfolg: seit 2007 sind die Roaming-Gebühren auf Druck der EU-Kommission stetig gesunken, seit 2017 sind sie ganz gefallen: seither können alle Europäerinnen und Europäer in der EU ohne Roaming-Gebühren reisen.

Die Preise für Telekommunikation sind seit Jahren drastisch gefallen, beim Festnetz ebenso wie mobil. Ein Grund neben dem technischen Fortschritt und leistungsfähigeren Netzen dafür ist, dass die EU seit 1998 alle nationalen Telefon-Monopole abgeschafft hat. Ein offener Markt sorgt über den Wettbewerb für faire Preise. Der Vergleich zeigt, wie billig Telefonieren inzwischen geworden ist: 1997 kostete ein Zehn-Minuten-Ferngespräch per Festnetz innerhalb Deutschlands umgerechnet noch 2,88 Euro – zwanzig Jahre später nur noch einen Cent. Wer damals genauso lange in die USA per Festnetz telefonierte, zahlte umgerechnet 7,41 Euro – inzwischen sind es nur noch etwa 6 Cent.
Beim Telefonieren oder Surfen mit dem Handy im Ausland sind die Roaming-Aufschläge auf Druck der EU-Kommission erst schrittweise gesunken, dann ganz abgeschafft worden. Unter Roaming versteht man die Möglichkeit, in ausländischen Mobilfunknetzen zu telefonieren, SMS zu schreiben oder mobiles Internet zu nutzen.

2007 hatte die Kommission bereits erste Regeln für Obergrenzen bei den Roaming-Tarifen eingeführt. Damit sanken die Extrakosten für auf Reisen im EU-Ausland erheblich. Seit dem 15. Juni 2017 ist endgültig Schluss mit Roaming bei vorübergehenden Auslandsreisen innerhalb der EU: Die Menschen können seitdem ihre Mobilgeräte in der EU zu den Bedingungen ihrer inländischen Verträge nutzen. Die Anrufe (Mobilfunknummern oder Festnetznummern), Textnachrichten und Datendienste auf Reisen werden zu Inlandspreisen in Rechnung gestellt. Dasselbe gilt für alle Anrufe oder Textnachrichten, die sie während ihres Auslandsaufenthalts erhalten – es entstehen keine Zusatzkosten für den Empfang von Anrufen oder Textnachrichten.

Ein Bericht aus dem November 2019 zeigt, dass sich seit der Abschaffung der Roaminggebühren die Nutzung von Mobilfunk-Datendiensten auf Reisen in der EU verzehnfacht hat. Der Roamingmarkt funktioniert gut und entgegen den Befürchtungen, die Abschaffung der Roaminggebühren könnte zu steigenden Inlandspreisen führen, sind die Inlandspreise für Mobilfunkdienste in der EU insgesamt sogar zurückgegangen.