Die EU bewahrt die kulturelle Vielfalt und zeichnet Kulturhauptstädte

Was verbindet Berlin, Weimar und Essen? Alle drei Städte waren schon einmal europäische Kulturhauptstädte. Die europäischen Kulturhauptstädte stehen für eine lebendige Kulturlandschaft in Europa – und werden mit EU-Geldern unterstützt. Kein Kontinent der Erde hat auf kleinem Raum ein derart vielfältiges kulturelles Erbe wie Europa.

Seit 1985 vergibt die Europäische Union den Titel Kulturhauptstadt. Ziel der Initiative ist es, den „Reichtum und die Vielfalt der Kulturen Europas hervorzuheben“, den Tourismus anzukurbeln und das Image der Städte zu verbessern. Außerdem verstärkt sie das Gefühl der Europäerinnen und Europäer, einem gemeinsamen Kulturkreis anzugehören. Die damalige griechische Kulturministerin Mercouri war Initiatorin des Programms.

Erste Kulturhauptstadt war Athen. Als erste deutsche Metropole führte Berlin den Titel 1988, aus Deutschland folgten 1999 Weimar und 2010 Essen für das Ruhrgebiet. Die Städte werden vier Jahre zuvor formell ernannt. Anfangs war nur eine Stadt Kulturhauptstadt, seit 2001 sind es wegen der vielen Bewerbungen meistens zwei Städte. Der Titel wurde schon an mehr als 50 europäische Städte verliehen. Die Kulturhauptstädte Europas 2020 sind: Rijeka (Kroatien) und Galway (Irland). Im Jahr 2021 tragen ausnahmsweise gleich drei Städte diesen Titel: Timisoara (Rumänien), Elefsina (Griechenland) und Novi Sad (Serbien, Beitrittskandidat), 2022 sind es Kaunas (Litauen) und Esch-sur-Alzette (Luxemburg).

Europa ist in der Kultur absolute Weltspitze. Nirgendwo sonst auf dem Globus gibt es so viele von der UNESCO geschützte Kulturdenkmäler von Weltrang wie auf dem europäischen Kontinent. Die EU hat darüber hinaus das Europäische Kulturerbe-Siegel geschaffen. Es geht an Stätten, die für die Geschichte oder die Ideale der europäischen Einigung besonders wichtig sind. In Deutschland gehören dazu das Hambacher Schloss und die Städte Münster und Osnabrück als Verhandlungsorte des Westfälischen Friedens. Auch die Stätten der Reformation und des Eisernen Vorhangs – beide als Verbund – haben das Kulturerbe-Siegel. Die Stätten der Reformation bestehen aus 20 einzelnen Orten, darunter die Wartburg in Eisenach und das Luther-Geburtshaus in Eisleben. Zu den Stätten des Eisernen Vorhangs gehören die Gedenkstätte Berliner Mauer und die Nikolaikirche in Leipzig. Auswahlkriterium ist nicht die Schönheit oder die Architektur, sondern ihr besonderer Wert für Europa. Mit diesem Schwerpunkt unterscheidet sich das europäische Kulturerbe-Siegel etwa vom UNESCO Welterbe-Siegel.

2018 war sogar ein ganzes Jahr dem Kulturerbe gewidmet: Museen, Gedenkstätten, Archive, Bibliotheken und viele weitere Kulturerbe-Vermittler haben mitgewirkt, um das Bewusstsein für die soziale und wirtschaftliche Bedeutung des kulturellen Erbes zu stärken.