Die EU fördert ein Europa der Kulturen

Nicht nur in Politik und Wirtschaft ist die EU für ihre Mitglieder da – sondern auch in der Kultur. Zahlreiche Förderprogramme verhelfen Regisseuren, Schauspielern, Sängern und anderen Kunstschaffenden zum Durchbruch. Was wäre zum Beispiel das Kino ohne den europäischen Film?

Einem der Gründerväter Europas, Jean Monnet, wird der Ausspruch zugeschrieben: „Wenn man alles noch einmal machen müsste, würde ich mit der Kultur anfangen.“ Der Satz gilt als Ausdruck der Erkenntnis, dass die Kultur ein wichtiger Motor der europäischen Einigung ist. Denn Europa teilt eine jahrhundertelange gemeinsame Kulturgeschichte. Europas reiches kulturelles Erbe bereichert die Menschen, bringt ihnen Freude und ein Gefühl der Identität.

Jeder Staat ist selbst für seine Kulturpolitik zuständig. Die EU unterstützt die Mitgliedsländer dabei, die kulturelle Vielfalt und das Kulturerbe zu wahren, Künstler in ihrem Schaffen zu unterstützen und den kulturellen Austausch zu fördern.

Die Kommission unterstützt die Kulturschaffenden direkt durch finanzielle Hilfen oder indirekt durch Plattformen und Netzwerke. Mehr als acht Millionen Arbeitsplätze entfallen auf die Kultur- und Kreativbranchen in Europa, sie tragen zu über 3 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU bei. Die EU-Förderung für Kulturprojekte läuft über das Programm „Kreatives Europa“. Das Programm stellt bis 2020 rund 1,46 Milliarden Euro bereit, um die Kultur- und Kreativbranche zu stärken.

Die EU vergibt Kulturpreise, etwa den europäischen Preis für Popmusik, den Music Moves Europe Talent Award. Der Preis wird jedes Jahr an aufstrebende Künstler verliehen, die den europäischen Sound von heute und morgen verkörpern und denen es gelingt, mit ihrem Debütalbum außerhalb ihres Landes ein großes Publikum zu erreichen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die deutsch-britische Sängerin Alice Merton und viele mittlerweile etablierte Künstler wie Adele, Mumford and Sons, Kodaline, Christine and the Queens, Woodkid, Disclosure, Milky Chance, Damien Rice, Agnes Obel, Caro Emerald und viele andere.

Europäische Filme sind so vielfältig wie etwa die Kassenschlager „Die fabelhafte Welt der Amélie“ „Goodbye Lenin“ oder „The King’s Speech“. Damit das möglich ist, greift die EU seit 1990 Regisseuren und Produzenten von Filmen für Kino und Fernsehen finanziell unter die Arme. Um die Qualität des europäischen Films zu sichern, subventioniert die EU Filmfestivals, fördert den Verleih und Vertrieb von europäischen Koproduktionen sowie die Entwicklung von TV-Serien und unterstützt Kinonetzwerke wie etwa das Netzwerk „Europa Cinemas“, in dem sich Kinos mit einem hohen Programmanteil europäischer Filme zusammengeschlossen haben. Die Zahlen belegen den Erfolg der Filmförderung: Seit dem Start hat sich die Anzahl der europäischen Filme in den Kinos verdreifacht, der Marktanteil stieg von anfänglich unter zehn bis heute auf über 33 Prozent.

Der gesamte Kultursektor steht infolge der Corona-Pandemie vor größten Herausforderungen. Kinostarts wurden verschoben, Produktionen pausieren, Festivals und Märkte mussten abgesagt oder verschoben werden. Viele Initiativen haben Alternativen zu abgesagten Live-Events entwickelt, Festivalprogramme werden ebenso gestreamt wie Podiumsdiskussionen, Konzerte und Vorträge. In der Pandemie hat die EU mit Social Media-Kampagnen wie #CreativeEuropeAtHome auf Teilnehmende des Programms „Kreatives Europa“ aufmerksam gemacht, die ihre Kunst von zu Hause aus mit anderen teilen. Die Online-Plattform „Creatives Unite“ ist die zentrale Anlaufstelle für alle, die Informationen über Initiativen des Kultur- und Kreativsektors in der Pandemie und darüber hinaus suchen.