Die EU schickt junge Leute mit Erasmus ins Ausland

Erasmus von Rotterdam war ein kosmopolitischer Vordenker der Renaissance, der in den Niederlanden, England, Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz lebte. Das weltweit größte Förderprogramm für Auslandsaufenthalte von Studenten, Azubis und Lehrern trägt seinen Namen: das europäische „Erasmus“-Programm. Schon mehr als zehn Millionen Menschen sind seit 1987 mit dem Erasmus-Programm zum Lernen ins Ausland gegangen.

Ein Semester in Paris oder Madrid studieren – alleine 2018 nutzten über 110.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland die Mobilitätangebote des europäischen Bildungsprogramms Erasmus+. Es ist eines der erfolgreichsten Programme der EU. Während Erasmus 1987 mit 3.244 Studierenden startete, unterstützt Erasmus+ heute jährlich bereits rund 850.000 Studierende, Auszubildende, Freiwillige, Lehrer, Trainer und Jugendarbeiter. Das Programm steht für ein Lebensgefühl: die Erasmus-Generation erlebt und schätzt die Vielfalt und Schönheit des Kontinents. Sie ist europäisch vernetzt und fühlt sich europäisch.

Seit dem Gründungsjahr haben über zehn Millionen junge Leute daran teilgenommen, davon 1,3 Millionen aus Deutschland. Zunächst ging es um den Austausch von Studierenden, später kamen aber auch Auszubildende, Praktikanten, junge Unternehmer, sportlich Aktive und Pädagogen hinzu. Als Erasmus+ Stipendiat zahlt man im Ausland keine Studiengebühren, erworbene Leistungen werden anerkannt, zudem erhält man eine monatliche Förderung von bis zu 450 Euro (Studium) bzw. 550 Euro (Praktikum).

Der Auslandsaufenthalt ist gut für die Karriere: Studierende mit Erasmus-Erfahrung finden nach Abschluss des Studiums leichter einen Job als andere. Einer von drei Erasmus-Teilnehmern in der Ausbildung bekommt am Ende von dem Unternehmen, in dem er ausgebildet wurde, einen Job angeboten. Einer von zehn gründet eine eigene Firma.

Mit der Film-Trilogie „L‘ Auberge Espagnol“ („Barcelona für ein Jahr“) bekam das Erasmus-Programm eine weltweit erfolgreiche filmische Hommage – keine geringe Leistung für ein EU-Programm. Madrid, Paris und Wien sind europaweit übrigens die Lieblingsziele der Studierenden.

Seit 2014 ist Erasmus mit anderen Programmen zu Erasmus+ verschmolzen, zu dem etwa das Master- und Doktorandenprogramm und Erasmus für Jungunternehmer gehören. Die EU-Kommission hat 2018 noch ErasmusPro ergänzt, das längerfristige Arbeitspraktika (von einem halben bis einem Jahr) von Auszubildenden im Ausland fördert. Dadurch ist das Interesse an langfristigen Praktika gestiegen: Jährlich werden mehr als 12.000 Lernende unterstützt. Einige Erasmus-geförderte Projekte motivieren Azubis, die kurz vorm Abbruch stehen, mit einem Auslandsaufenthalt durchzuhalten und ihre Lehre abzuschließen.

Für Erasmus+ hat die EU im Haushalt 2014 bis 2020 rund 15 Milliarden Euro bereitgestellt. Mehr als vier Millionen Europäerinnen und Europäer haben damit im Ausland studieren, arbeiten und lernen können – darunter 660.000 Deutsche. Im EU-Haushalt 2021-2027 sind noch deutlich mehr Mittel für Erasmus+ eingeplant. Bis zu 12 Millionen junge Menschen sollen damit die Möglichkeit erhalten, Auslandserfahrungen zu sammeln. „Junge Menschen brauchen in Europa keine wohlhabenden Eltern, um im Ausland zu studieren: ein Erasmus-Stipendium reicht“, so Ursula von der Leyen.

Solange die Corona-Pandemie anhält, sollten Studierende und Azubis sich vor einer Ausreise grundsätzlich informieren, wie sich die Situation im Gastland darstellt und ihre Entscheidungen in Absprache mit ihrer Heimathochschule und ihrem Ausbildungsbetrieb treffen. Die vier nationalen Agenturen, die Erasmus+ in Deutschland umsetzen, halten dazu laufend aktualisierte Informationen bereit.